So geht dokumentarischer Film

“ Im Film mit Fakten zu erzählen, ist für Autor*innen eine Herausforderung, weil manche informativ notwendigen Fakten eher in eine Liste passen. Doch der Weg, Fakten nicht abzuhandeln, sondern in eine dramaturgisch wirksame Form zu bringen, führt zum Ziel: das Publikum bleibt dran und versteht.“

Werkzeuge dafür sind der Erzählsatz, die Roten Fäden, die Drama-Elementarmuster, das konzentrierte Zusammenspiel der sechs filmischen Erzähler, Emotionsziel und Argumentziel und die für Erzählungen charakteristische Polaritätslogik.

Das Buch von Gregor Alexander Heussen zeigt Dokumentarische Dramaturgie praktisch; und begründet sie mit Erkenntnissen der Kognitionswissenschaft. Redakteur*innen und Film-Auftraggeber*innen finden Werkzeuge und Denkwege für Planung, und Filmabnahme. Autor*innen erfahren die Kraft der dramaturgischen Recherche und entdecken neue Gestaltungsmöglichkeiten bei Dreh und Montage.

Gregor Alexander Heussen hat Generationen von Autor*innen für Film und Fernsehen das Handwerk beigebracht, Fakten in spannende Storys zu verpacken. Eine Summe davon gibt das vorliegende Lehrbuch „Fakten – Bilder – Töne – Story. Dokumentarische Filmdramaturgie“.

Das mehr als 500 Seiten starke Lehrbuch ist erschienen in der Reihe Journalistische Praxis, herausgegeben von Gabriele Hooffacker. Das Buch gibt es gedruckt sowie als E-Book bei Springer VS.

Eine Sprachinstanz verschwindet

Wolf Schneider, Journalist und Journalismuslehrer, geboren am 7. Mai 1925 in Erfurt, ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Als Journalismuslehrer und Leiter der Henri-Nannen-Journalistenschule hat er Generationen engagierter jungen Menschen, die in den Journalismus-Beruf wollten, geprägt. Es gibt eindrucksvolle Berichte, wie kritisch er Texten gegenüber sein konnte, die seinen hohen Ansprüchen nicht genügten. Mit hoher Präzision hat er sprachliche Fehler markiert und entlarvt.

Für die Reihe „Journalistische Praxis“, herausgegeben von Walther von La Roche, hat Wolf Schneider früh ein Buch zum Thema „Die Überschrift“ geschrieben. Witzig und oft bissig zeigt es an zahlreichen Beispielen die gängigen Fehler auf. Detlef Esslinger von der Süddeutschen Zeitung hat den Band Die Überschrift 2015 für die Gelbe Reihe, nunmehr bei Springer VS, kongenial ergänzt in der erweiterten 5. Auflage veröffentlicht. Im Interview zum Buch sprechen die beiden über Trends und Veränderungen bei Überschriften.

Eine sprachliche Instanz wie Wolf Schneider wird der deutschsprachigen Journalismuslehre fehlen.

Zur Meldung bei der Süddeutschen Zeitung

Zum Wikipedia-Eintrag über Wolf Schneider

Modernes Nachrichtenschreiben kompakt

Alexander Marinos, stellvertretender Chefredakteur der WAZ, legt mit diesem „Essential“ eine kompakte Einführung ins Nachrichtenschreiben speziell online vor. Seine langjährige Erfahrung als Journalismuslehrer ist hier eingeflossen. Im Buch Journalistische Praxis: Modernes Nachrichtenschreiben kompakt gibt er

  • einen Crash-Kurs zum Schreiben von Nachrichten
  • die zwölf wichtigsten Sprach- und Stilregeln
  • Tipps für gute Titel, Teaser und Texteinstiege
  • Tricks zur Beeinflussung von Suchmaschinen
  • und vieles mehr.

Die Essentials führen kompakt in aktuelle Themen ein. Sie ergänzen damit die von Walther von La Roche gegründete Gelbe Reihe Journalistische Praxis. „Modernes Nachrichtenschreiben“ gibt es als E-Book und gedruckt.

Lessons für die Journalismuslehre

Wie kann Journalismus dazu beitragen, dass Themen wie Flucht, Migration und Integration verständlich aufbereitet werden, insbesondere für Heranwachsende? Das Konzept des konstruktiven, lösungsorientierten Journalismus soll den gesellschaftlichen Diskurs unterstützen: Zu Nachrichten wird Hintergrund und Kontext vermittelt, Handlungsoptionen und Lösungswege werden recherchiert und aufgezeigt.

Zum Abschluss des Projekts MeKriF – Flucht als Krise hat Gabriele Hooffacker, Medienprofessorin an der HTWK Leipzig, eine Handreichung für die Journalismus- und Medienausbildung vorgelegt. Im Rahmen des Projekts hat das HTWK-Team sechs Videos produziert, die direkt in Schule, Jugendarbeit oder Medienstudium eingesetzt werden können.

Fernsehen, YouTube und eine Schulstory

In einem der Videos diskutieren die Leipziger Journalistin Luisa Graf und der syrische Journalist Miran Ahmad die Darstellung von Flucht. Sie erklären, wie sie das entsprechende „Framing“, also vereinfachte, tendenziöse Zuschreibungen, in Fernsehnachrichten vermeiden.

Wie sich die Aufbereitung für klassisches Fernsehen und einen Kanal auf YouTube unterscheiden, vergleichen der YouTuber und Redakteur Marvin Neumann und Niklas Schenk, Journalist beim Bayerischen Rundfunk.

In einem dritten Video geht es um eine fiktive Geschichte zum Thema „Racial Profiling“ an einer Schule, und wie sich die Schülerinnen und Schüler via Social Media dazu verhalten.

Zu den Videos
Zum Buch bei Springer VS

Neu bearbeitet: 5. Auflage Online-Journalismus

Im Oktober 2020 ist die 5. Auflage von Gabriele Hooffackers „Online-Journalismus“ erschienen. Die Autorin hat den Lehrbuch-Klassiker komplett überarbeitet.

Das Herzstück, die Einordnung von Darstellungsformen und Formaten, wurde neu sortiert und um aktuelle Tipps aus der Praxis ergänzt. Aktualisiert wurden auch die Kapitel zur Navigation, insbesondere für mobile Endgeräte, zur Suchmaschinenoptimierung (SEO) sowie zum Texten von Teasern.

Neu ist das Kapitel „Partizipative Formen und Formate“. Es ersetzt das bisherige Kapitel der „kommunikativen Formen“ und stellt Möglichkeiten der User-Einbeziehung dar. Die neue Systematik geht von fünf Schichten der Publikumsinteraktion aus:

Schicht 1: Crowdsourcing bei Themenfindung und Recherche
Schicht 2: Add-on Reporting
Schicht 3: Redaktionell begleiteter Citizen-Journalismus
Schicht 4: Bloghouse – Platz fürs Publikum
Schicht 5: Redaktionell selbstständiger Citizen-Journalismus
Mehr dazu im Buch.

Als E-Book ist „Online-Journalismus“ für Studierende und Lehrende über die Hochschulbibliotheken kostenfrei zu beziehen. Im Handel kostet das E-Book 19,99 Euro, als Softcover 27,99 Euro.

Zur Webseite Online-Journalismus beim Verlag Springer VS

Zur Website mit ergänzenden Informationen zum Buch: www.onlinejournalismus.org

Journalismusausbildung: Konstruktiver Journalismus

Welche Ressourcen und Best-Practice-Beispiele aus Pädagogik, Journalismus und Journalismuslehre zum Umgang mit Flucht, Migration und Integration gibt es? Wie können Journalist*innen und Journalismusdozent*innen zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen und Heranwachsende im souveränen Umgang mit diesen Themen unterstützen? Was kann das Konzept des „constructive journalism“ dazu beitragen?

Das JFF München und weitere Kooperationspartner, darunter HTWK Leipzig und Journalistenakademie, laden zur Transfertagung am 16. September ein. Die Tagung findet online statt. Vorgestellt werden die Ergebnisse aus zwei mehrjährigen Studien. In Workshops für Fachkräfte aus Pädagogik und Journalismus kann man Lehrmaterialien für Pädagogik und Journalismusausbildung ausprobieren.

Fragen aus der Jugendpädagogik, dem Journalismus und der Medienethik diskutieren

  • Prof. Dr. Carola Richter (Professorin für internationale Kommunikation an der FU Berlin mit Schwerpunkt u.a. Repräsentation von Migrant*innen und Muslim*innen in den Medien),
  • Dr. Nicole Rieber (Redakteurin von frieden-fragen.de und Projektmanagerin bei der Berghof Foundation mit Schwerpunkt Digitale Friedenspädagogik),
  • Prof. Dr. Klaus-Dieter Altmeppen (Professor für Journalistik und Leitung des Zentrums Flucht und Migration an der KU Eichstätt-Ingolstadt, sowie Leitung des Zentrum für Ethik der Medien und der digitalen Gesellschaft (zem::dg)),
  • Klaus Lutz (Pädagogische Leitung des Medienzentrums Parabol und Lehrbeauftragter an der Georg-Simon-Ohm Hochschule in Nürnberg zum Thema Medien in der Sozialen Arbeit) .

Die Teilnahme ist kostenfrei. Hier geht’s zur Anmeldung beim JFF.

Walther von La Roche zum Geburtstag

Am heutigen 29. Februar 2020 würde Walther von La Roche seinen 21. Geburtstag feiern. Der Journalist, Journalismuslehrer und Herausgeber der Gelben Reihe „Journalistische Praxis“ La Roche (1936-2010) feierte in den meisten Jahren zweimal – am 28. Februar und am 1. März -, in den Schaltjahren dann den „richtigen“ Geburtstag. Nach dieser Zählung wurde er allerdings nur 18 Jahre alt. „La Roches Einführung in den praktischen Journalismus„, 1975 zum ersten Mal erschienen, liegt inzwischen in der 20. Auflage vor, auch als E-Book. Herzlichen Glückwunsch, lieber Walther!

Wer spricht denn da? Die „Textperson“

Die „Textperson“ ist das Übersetzungs-Werkzeug für Autorinnen und Autoren dokumentarischer Filme. Sie gibt dem Filmtext eine filmische Gestalt, die weit über den früher gewohnten „Kommentar zum Bild“ hinausreicht. Jetzt gibt es erstmals ein Buch in der Reihe Journalistische Praxis, das dieses Werkzeug vorstellt und zeigt, wie man es einsetzt.

Durch die Textperson gewinnen Autor/innen professionelle Distanz zu sich selbst und Nähe zum Publikum. Autor/Regie kann mit der Textperson die eigene erzählerische Haltung vielfältiger gestalten, als wenn man sich allein auf das eigene „Dabei-Gewesen-Sein“ stützen müsste. Die persönliche Authentizität kann durch die Authentizität und Plausibilität der Textperson wirksam werden, ohne dass man die Grenzen des eigenen Ich eingestehen müsste. Die Zuschauer/innen werden nur dem gehörten Filmtext begegnen; Autoren* können diese Chance kreativ nutzen.

Gregor Alexander Heussen ist Autor und Regisseur von dokumentarischen Filmen und Coach für Dokumentarische Dramaturgie und Filmtext. Er war Ausbildungstrainer beim NDR, BR, SWR, Deutsche Welle; und Coach für journalistische Redaktionen in Öffentlich-rechtlichen Fernsehhäusern. Bei der ARD-ZDF medienakademie, in der Filmakademie Ludwigsburg, der HFF München und der HTW Chur hat er als Dozent Kurse für Film-Abnahme, Filmtext und Dokumentarische Dramaturgie gegeben. Als Filmemacher hat er den Adolf Grimme-Preis und den Wilhelmine Lübke-Preis erhalten. Den „Erzählsatz“, die „Textperson“ und die „Roten Fäden“ hat er als dramaturgische Werkzeuge etabliert.

Beim Verlag Springer VS kann man das Buch als Softcover oder als E-Book bestellen.